WCAG 2.2 ist die aktuellste Version der Web Content Accessibility Guidelines, einem internationalen Standard für digitale Barrierefreiheit. Die Richtlinie beschreibt, wie Websites, Apps und Webshops so gestaltet werden, dass auch Menschen mit einer Seh-, Hör-, motorischen oder kognitiven Beeinträchtigung sie nutzen können. Für niederländische Unternehmen gilt seit 2018 eine gesetzliche Verpflichtung zur Barrierefreiheit öffentlicher Websites, und in der Praxis werden private Organisationen immer häufiger wegen Barrieren in ihren Online-Diensten zur Rechenschaft gezogen.
So funktioniert WCAG 2.2 in der Praxis
WCAG 2.2 besteht aus vier Grundprinzipien: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust. Innerhalb dieser Prinzipien gibt es 86 Erfolgskriterien, die jeweils eine konkrete Anforderung stellen. Dazu gehören beispielsweise ein ausreichender Farbkontrast zwischen Text und Hintergrund, die Navigation per Tastatur ohne Maus, klare Fehlermeldungen bei Formularen und Untertitel bei Videos. Jedes Kriterium hat eine Stufe: A (Basis), AA (gewünscht) oder AAA (optimal). Die meisten gesetzlichen Vorschriften und Best Practices zielen auf die Stufe AA ab. Die W3C-Quickref bietet eine vollständige Übersicht nach Kriterien. In der Praxis setzen Sie diese Kriterien in Designentscheidungen, Frontend-Code und Content-Strategie um. Ein gut konzipiertes Designsystem hilft dabei, Barrierefreiheit von Anfang an in den Komponenten zu verankern.
Warum WCAG 2.2 entstanden ist und was neu ist
WCAG 2.1 wurde 2018 eingeführt und konzentrierte sich vor allem auf die mobile Nutzung und Menschen mit kognitiven Einschränkungen. WCAG 2.2 ergänzt diese um neun neue Erfolgskriterien, darunter eine bessere Unterstützung für Sehbehinderte, Nutzer mit Tremor oder eingeschränkter Feinmotorik sowie Menschen, die Schwierigkeiten bei der Authentifizierung haben. Beispiele hierfür sind ein verbesserter Fokusindikator, konsistente Hilfe bei Formularen und eine Alternative zu CAPTCHAs. Das W3C veröffentlicht diese Aktualisierungen, um die Richtlinie mit neuen Technologien und Erkenntnissen aus der Nutzerforschung in Einklang zu bringen. Für Unternehmen bedeutet dies, dass bestehende Websites, die bereits die Anforderungen von 2.1 erfüllten, oft nur geringfügige Anpassungen benötigen, um auch die Anforderungen von 2.2 zu erfüllen.
Was WCAG 2.2 für Ihre Website bringt
Eine barrierefreie Website erreicht ein größeres Publikum: In Deutschland hat etwa 20 Prozent der Bevölkerung eine Form von Behinderung. Darüber hinaus wirkt sich Barrierefreiheit positiv auf Suchmaschinenalgorithmen aus, da sich viele Kriterien mit technischen SEO-Faktoren wie semantischem HTML, Geschwindigkeit und mobiler Benutzerfreundlichkeit überschneiden. Wenn Sie eine Website erstellen lassen, können Sie WCAG 2.2 direkt in den Design- und Entwicklungsprozess einbeziehen, was deutlich kostengünstiger ist als nachträgliche Anpassungen. Barrierefreiheit beugt zudem rechtlichen Risiken vor: Immer mehr Verbraucher und Interessenverbände gehen bei digitalen Barrieren vor Gericht. Für Online-Shops gilt darüber hinaus, dass ein barrierefreier Checkout unmittelbar zu einer höheren Konversionsrate führt, da Formulare einfacher und Fehlermeldungen klarer sind.